www.musik-und-gesang.de

Impressum

Musik und Humor

Englische Tonarten

What do you get when you drop a piano down a mine shaft?
-A flat minor-
What do you get when you drop a piano on an army base?
-A flat major-

Mozarts Reliquien

Scherzhaftes aus der Verlags-Korrespondenz

Außergewöhnliche Kundenwünsche? Bei Anton Böhm & Sohn nimmt man auch seltsame Bestellungen mit Humor entgegen. Zum 200. Jahresjubiläum veröffentlichte Thomas Ballinger-Amtmann ein kleines Faltblatt mit kurioser Korrespondenz, die seinen Verlag erreichte. CANTATE veröffentlicht eine kleine Kostprobe:


So bestellte ein Kunde "eine Probe-Partytour". Ging es dabei festlicher zu als bei der sonst üblichen Partitur? Das ist nicht überliefert, aber nichts zu lachen haben sicherlich die Schüler beim "Leider der Musikschule", der bei Böhm Noten bestellte. Um "Stimmungslieder und Volkswaisen" bat ein Chorleiter, ein anderer Kunde verlangte "Singt dem Herrn, alle Stummen!". Zur Adventszeit forderte jemand "Weihnachtslieder mit Zitterbegleitung" an. Sollte es tatsächlich so kalt werden? Einen anderen Kunden hatte es schon eiskalt erwischt: Er verlangte Noten zu "Ich steh an deiner Grippe hier".
Hohe religiöse Ansprüche an einen berühmten Komponisten hatte ein Musikbegeisterter, der die "Reliquien" von Mozart bestellte... Ein anderer Kunstbeflissener bestellte bei Böhm & Sohn ein Werk von "Mozart, Atatürk". Und aus Karl Kempters an höhere Mächte gerichtetes "Adoro te" wurde ein vertrauliches, offenbar eher für eine Dame bestimmte "A Do-rothée". Die mit Abstand schönste Wortverwechslung lieferte allerdings ein Kunde aus Fernost, der Musikalienhandlung Böhm frei Haus: Er bestellte die "Sonnenscheinmonate" von L. van Beethoven. Angeblich soll er auch mit einer Lieferung der "Mondscheinsonate" zufrieden gewesen sein...

Aus dem märchenhaften Leben von Benedictus und Dissonanza

Es war einmal ein fröhlicher Musikus namens Benedictus. Der hatte zehn wunderhübsche Kinder: Primus, Sekunda, Terzia, Quarta, Quinta, Sextilius, Oktavia, None und Dezimus.
Mit seinem lieben Weibe Dissonanza lebte er tutti unisono, denn sie schenkte ihm immer absolutes Gehör, und selten gab es einen Dies Irae.
Sie wohnten unter einer mächtigen Fermate, die sie eigenhändig mit den allerschönsten Koloraturen und Arabesken ausgeschmückt hatten. Die Wände waren mit kostbaren Mollton behangen, und die Doppelfugen im Dach waren mit reinen Akkorden verclustert. Die Kinder wohnten in herrlichen englischen und französischen Suiten, wo sie ad libitum präludierten, phantasierten oder in ihren libretti lasen, und wo sich manch lustige Kinderszene abspielte. Da ging es oft con brio her, wenn die ganze Sarabande in den Kammern musizierte, so daß der Vater vor lauter fortissimo nicht polyphonieren konnte. Wenn es Benedictus dann gar zu Vivace wurde, setzte er einen energischen Kontrapunkt. Dann begann eine fuga gioccosa, die meist damit endete, daß die Kleinen flugs in die Orgelpfeifen flüchteten, bis daß der Vater wieder moderato war und sich seinen Inventionen zuwandte, oder zur Beruhigung eine Reprise Mezzoforte genommen hatte, welche er sich immer aus der Apotheke kommen ließ.
Frau Dissonanza ging derweil ihrer Hausarbeit nach, bis alles von Kollophonium glänzte; immer mit einer Canzonetta auf den Lippen und ohne jegliches Lamento. Manchmal seufzte sie allerdings: „Stabat mater lacrimosa....“, oder sie rief, wenn sie vom Einkaufen heimkam, belcanto: „Kommt ihr Töchter helft mir tragen!“, und presto öffnete ihr jemand die Ouvertüre und nahm ihr die schweren Tantiemen ab, die sie eben bei der GEMA eingekauft hatte.
Ein freudig begrüßtes Divertimento war dann das Mittagessen. Mit dem Schlag zwölf des Metronoms modulierte das ganze Ensemble in die Es-moll-Suite, wo Frau Dissonanza ein Potpurri lukullischer Variationen bereithielt. Da gab es Suppa legato, oder Toccata milanese con Sordino, oder feinste Bourée mit esspresiven Gavotten in Sauce polonaise, oder geräucherten Manuaal mit Pizza staccato. Hinterher genoß man allerlei süße Bagatellen und trank auch mitunter eine Flageolette Aqua con spiritu.
Elegien bei Tisch waren verpönt, dagegen erzählte man sich gern Humoresken und Scherzi. Nur wenn Benedictus sforzato et con fuoco zu einem Solo anhub, war Generalpause Pflicht.
Wenn es allen geschmeckt hatte, klatschten sie rhythmisch in die Hände, lobten ihre Mutter á capella und sprachen: „Wie wunderbarlich ist doch diese Speise!“.
Frau Dissonanza verwies jedoch meist auf ihr Köchelverzeichnis.
So lebten die zwölf fröhlich dahin, machten als Winterreise 14 Tage Skiferien im
Intervalle und kutschierten im Sommer vier Wochen lang in ihrer wunderschönen
Coelesta durch die Gegend und schwammen im Schwanensee.
Und wenn sie nicht an einem morendo smorzando gestorben sind - da capo, da capo.
Maria Wieners